Zu niedriger Puls

Regelmäßig habe ich das Problem, dass mein Puls selbst bei Sprintintervallen nicht über 130 bis 140 Schläge pro Minute kommen möchte. Dementsprechend träge fühle ich mich dann. Es tritt nicht immer auf, ich kann es leider nicht in Verbindung mit anderen Einflüssen bringen (Nahrung, Stress, Tageszeit, Aufwärmen). Bei anderen Trainingseinheiten ist der Puls wieder normal, und ich fühle mich deutlich wohler und kann auch bessere Zeiten laufen und radeln. Vielleicht hilft ein Blick auf meine Vorgeschichte: Seit meiner Kindheit leide ich an Migräne und habe lange „Metoprolol“ einnehmen müssen. Da mein Ruhepuls durch die Medikation allerdings auf unter 30 Schläge pro Minute fiel, wurde das Medikament getauscht. „Topiramat“ habe ich nicht vertragen und mich daraufhin mit dem Arzt geeinigt, dass ich auf Medikamente verzichte und mit den Schmerzen leben muss. Kann der niedrige Puls eine Spätfolge der Medikation sein? Was kann man dagegen machen, und wie bekomme ich mein Herz besser in Schwung? Mein Blutdruck ist einwandfrei, auch der Ruhepuls liegt in einem sehr guten Bereich.

Die Pumpleistung des Herzens variiert zwischen 5 und 30 Litern pro Minute und wird dem jeweiligen Bedarf durch Änderung von Herzschlagvolumen und Herzschlagfrequenz angepasst. In Ihrem Fall klappt das offenbar zumindest zeitweise nicht richtig: Sie haben beobachtet, dass Ihr Herz dann für die Belastung zu langsam schlägt und Sie die Frequenz auch nicht durch körperliche Reize, wie zum Beispiel Sprintintervalle, stimulieren können. Demnach ist die Anpassung der Pumpleistung an den Bedarf zumindest zeitweise nicht adäquat. Sie können Ihre Leistung nicht wie gewohnt erbringen, da die Muskulatur nicht das nötige Blutvolumen pro Zeiteinheit bekommt. Es kommen einige Ursachen für diese Störung in Betracht, nicht jedoch, dass es sich um eine Spätfolge der ehemaligen Einnahme von Metoprolol handelt. Das kann man definitiv ausschließen, denn dann wäre die Leistungsschwäche nicht nur zeitweise, sondern ständig vorhanden. Allerdings bleibt in Ihrer Anfrage offen, ob Sie aktuell andere Medikamente nehmen. Eine den Puls senkende Eigenschaft haben sehr viele Substanzen und Pharmaka, so zum Beispiel auch einige Augentropfen. Bitte beobachten Sie genau, ob und wie der Puls sich nach dem Training verhält, lassen Sie dazu den Pulsgurt länger an. Vielleicht haben Sie eine Pulsuhr, mit der man die gemessenen Werte auch ausdrucken kann. Auch wenn das kein EKG ersetzt, kann Ihr Kardiologe daraus wichtige Hinweise für die Ursache erhalten. Entscheidend wird aber sein, dass man mit einem EKG aufzeichnet, was das Herz genau dann macht, wenn Sie diese Beschwerden haben. Man kann ein EKG auch während des Trainings ableiten. Dazu legt man Ihnen vorher ein Langzeit-EKG an, das dann etwa einen Tag lang kontinuiertlieh ein EKG aufzeichnet, also auch beim Training. Es kann sein, dass Sie nicht gleich beim ersten Mal ein Ereignis einfangen, aber es sollten gegebenenfalls auch wiederholte Versuche unternommen werden, denn nur so kann man die verschiedenen Auslöser erkennen und Gegenmaßnahmen ergreifen.

 

Dr. Karlheinz Herrmann
Triathlon Insider.Coach.Experte Nr 137 Feb 2016 , S. 105

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