Triathlet mit Koronarer Herzerkrankung

Ich (60) treibe seit jeher Sport aller Art, seit zehn Jahren verstärkt im Ausdauerbereich. Meine Trainingspläne erstelle ich mithilfe eines Trainingswissenschaftlers, jährlich gehe ich zur sportärztlichen Untersuchung. Dort gab es nie eine Beanstandung! Vor Kurzem jedoch stellte ich einen erhöhten Ruhepuls fest und ein Kardiologe entdeckte beim Belastungstest eine sogenannte ST-Verschiebung. Sofort verordnete er einen Herzkatheter. Dann fand man vier Verengungen. Gegen zwei davon implantierte man mir Stents, die anderen werden momentan noch nicht behandelt. Zu meinem Entsetzen muss ich nun täglich blutverdünnende, blutdruck- und cholesterinsenkende Medikamente nehmen. Nach Aussage einer Ärztin wäre ich ein typischer Fall von plötzlichem Herztod geworden – wie kann das sein, bei meiner gesunden Lebensweise? Kann ich weiter an Ausdauerwettkämpfen teilnehmen?

Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße werden unterschiedlich stark wahrgenommen und verursachen manchmal gar keine Beschwerden. Die Gründe dafür sind vielfältig: Bei langsam zunehmender Gefäßverengung veranlasst der Körper Anpassungsvorgänge. Es bilden sich beispielsweise Umgehungsgefäße aus, die das verengte Gefäß überbrücken und so die Versorgung des Herzens sicherstellen. Auch die Funktion der betroffenen Herzmuskelzellen und der sie versorgenden Nervenzellen ändert sich. Zusätzlich spielen auf hormoneller und molekularer Ebene weitere Mechanismen mit. Genau diese Anpassungsvorgänge sind übrigens auch die Ursache für die recht häufigen „stummen“ Herzinfarkte, die die Betroffenen gar nicht bemerken.

Keine Beschwerden zu haben, wäre früher ein Vorteil für die Lebensqualität gewesen. Heute kann man therapeutisch eingreifen, und es ist ein Nachteil, wenn man vom Körper keine entsprechenden Signale bekommt. Ihr Körpersignal, der erhöhte Ruhepuls, wäre den meisten anderen Menschen entgangen. Sie haben darauf reagiert, Ihren Arzt aufgesucht und den glimpflichen Verlauf damit erst möglich gemacht. Weil Ihren Ärzten bekannt ist, dass die Körperwahrnehmung besonders in solchen Fällen so unterschiedlich sein kann, haben sie bei typischem Befund im Belastungs-EKG zu dem Herzkatheter geraten. Ihren Sport sollten Sie natürlich weitertreiben, gerade unter gesundheitlichen Aspekten.

Es gibt sehr gute Belege dafür, dass Ausdauersport bei Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße den langfristigen Verlauf günstig beeinflusst. Ich halte es daher für sehr wahrscheinlich, dass Sie aufgrund Ihrer sportlichen und gesunden Lebensweise nicht schon früher mit diesem Herzproblem konfrontiert worden sind. Auch bezüglich Ihrer Teilnahme an Wettkämpfen kann ich Erfreuliches sagen: Die relevanten Gefäßengen sind ja beseitigt worden und somit sollte keine Durchblutungsstörung mehr bestehen. Wenn dies bei einer erneuten Untersuchung auch unter maximaler Last bestätigt wird, können Sie ohne Einschränkung an Wettkämpfen teilnehmen.

Dr. Karlheinz Herrmann
(Plötzlich herzkrank? – Triathlon Insider.Coach.Experte Februar 2013, Nr 108, S.64

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