Laktattest noch zeitgemäß?

Marcus de Maree, Leiter der Abteilung Leistungsphysiologie der Deutschen Sporthochschule zm Thema Laktattest

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 06.07.2008 Nr. 27 / S. 18

FRAGE: Bei den Klubs der Fußball-Bundesliga hat die Saisonvorbereitung begonnen. Vor dem Training kommt oft der Laktattest. Ist er noch zeitgemäß?

ANTWORT: Laktattests können sinnvoll sein. Aber man darf die Schwellenwerte, die man erhebt, nicht als Dogma für die ganze Mannschaft hinstellen und sagen, ich mache einen Test und weiß danach, wie jeder einzelne Spieler zu trainieren ist.

FRAGE: Wie sollte ein Laktattest vonstatten gehen?

ANTWORT: Idealerweise wird ein Laktattest immer zum gleichen Tageszeitpunkt sowie auf dem Laufband durchgeführt, weil man im Labor die Bedingungen konstant halten kann. Äußere Einflüsse wie Kälte und Sonnenschein fallen nicht so stark ins Gewicht, zudem hat man hier die Möglichkeit, weitere Parameter zu untersuchen wie die maximale Sauerstoffaufnahme.

FRAGE: Aber meistens laufen die Spieler doch auf der 400-Meter-Bahn!

ANTWORT: Bei diesem Feldstufentest läuft man Gefahr, dass die Aussagekraft eingeschränkt ist. Man bekommt zwar einen groben Hinweis, wie belastbar ein Sportler ist, kann ihn aber nicht als allgemeingültig hinstellen. Gerade für Profiklubs, bei denen viel Geld dahintersteht, ist es nicht mehr zeitgemäß, nur mittels eines Feldstufentests Laktat und Herzfrequenz zu bestimmen. Für die Leistungsdiagnostik spielen andere Faktoren eine Rolle: Eine Ergospirometrie sollte Standard sein. Zudem sollte eine Kraftdiagnostik durchgeführt werden, um die muskulären Voraussetzungen des Spielers festzustellen und zu sehen, inwieweit es Defizite gibt – im Rumpfbereich oder in den Beinen.

FRAGE: Was halten Sie von Trainern, die sich nicht auf wissenschaftliche Methoden verlassen, sondern einzig auf die eigene Erfahrung?

ANTWORT: Als Wissenschaftler favorisiere ich Tests, gerade im Hinblick auf individuelle Trainingspläne. Andererseits gibt es sehr erfahrene Trainer, die erkennen können, wie die Spieler arbeiten, und danach das Training aufstellen.

FRAGE: So wie Felix Magath, der von sich behauptet, seinen Spielern noch nie einen Laktattest abverlangt zu haben?

ANTWORT: Das ist in Einzelfällen möglich, aber man läuft als Trainer Gefahr, die Spieler zu über- oder zu unterfordern. Aber vielleicht hat Magath die Gabe, dem Spieler an den Augen abzulesen, ob er richtig belastet ist. Dem anderen Spieler tritt er in den Hintern und fordert ihn auf, mehr zu tun.

Die Fragen stellte Thomas Klemm.